Schlagwort: Schlafstörungen

Was sind eigentlich Depressionen?

Was sind eigentlich Depressionen?

Affektive Störungen sind eine breite Gruppe an psychischen Erkrankungen. Die Unterscheidungen sind teilweise sehr fein und nicht alle Störungsbilder sind dem Laien geläufig. Sie sind dadurch definiert, dass sich die Stimmung der Betroffenen verändert. Oft ist damit verbunden, dass auch die Aktivität zu- oder abnimmt. Die Depression ist das wohl bekannteste Krankheitsbild aus dieser Gruppe von Störungen. Doch was genau ist darunter zu verstehen? Von einer „depressiven Episode“ spricht man dann, wenn mehrere, aber nicht zwingend alle, damit verbundenen Symptome erfüllt werden.

Welche Symptome treten bei einer Depression auf?

  • Depressive Stimmung
  • Interessenlosigkeit
  • Freudlosigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Verminderte Konzentration
  • Vermindertes Selbstwertgefühl
  • Schuldgefühle
  • Hemmung
  • Unruhe
  • Gedanken an Suizid
  • Gedanken an Tod
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit
  • Appetitveränderung
  • Konzentrationsprobleme
  • Entscheidungsprobleme
  • Libidoverlust
  • Morgentief

Von einer „depressiven Episode“ sollte erst dann gesprochen werden, wenn mehrere dieser Symptome über einen längeren Zeitraum, mindestens zwei Wochen und regelmäßig, auftreten.

Warum bekomme ich eine Depression?

Wie genau eine Depression entsteht ist bis heute nicht geklärt. Man geht davon aus, dass es nicht das eine Erklärungsmodell gibt, sondern eine Vielzahl von Faktoren in Kombination zusammenspielen. Hierzu können Veranlagung, somatische Stressoren, wie Erkrankung oder Medikamente, psychosoziale Stressoren, neurobiologische Veränderungen, Lerngeschichte, oder auch weitere Faktoren wie Alter etc. beitragen. Die Wahrscheinlichkeit, mit der man erkrankt scheint zum Teil genetisch angelegt zu sein, Depressionen an sich sind aber nicht vererbbar.

Ob eine Person, wenn sie entsprechende Gene hat auch erkrankt, ist also noch von vielen weiteren Faktoren abhängig. Die Veranlagung macht demnach nur einen kleinen Teil aus. Auch neurobiologisch lassen sich Faktoren finden, die eine Erkrankung begünstigen können, aber nicht müssen. So wurde zum Beispiel ein Mangel der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin mit Depressionen in Verbindung gebracht. Ein solcher Mangel kann medikamentös behandelt werden.

Auch ein Mangel im Neurotransmitterhaushalt allein erklärt aber in der Regel nicht das Entstehen einer depressiven Störung. Klar ist, dass auch psychosoziale Faktoren eine Rolle spielen. Hierfür gibt es verschiedene Modelle, die mehr oder weniger vielversprechend sind. Studien zeigen mitunter, dass Lernerfahrungen im Lebensverlauf, wiederkehrende kognitive Schemata und ein Mangel an Verstärkern zumindest mitverantwortlich für die Aufrechterhaltung von Depressionen sind. Die Forschung zur Therapie von Depressionen ist breit aufgestellt, es gibt gut belegte Therapiemethoden und Medikamente, die zur Behandlung verwendet werden können. Was genau der einzelne Patient oder die einzelne Patientin benötigt ist nach wie vor individuell festzustellen.

Wann sollte ich Psychotherapie wahrnehmen?

Die Diagnosestellung in Deutschland erfolgt nach dem Klassifikationssystem „Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD-10). Eine Diagnose dient grundsätzlich dazu, sich zwischen allen Involvierten auf eine bestimmte Bandbreite an Symptomen zu einigen, die unter einer Störung zusammengefasst werden. Hieraus ergeben sich neben den Behandlungsmöglichkeiten auch bessere Grundlagen für Forschung, die Kommunikation unter allen Expert*innen und mit den Krankenkassen.

Es existieren aktuell neben dem ICD-10 noch weitere Klassifikationssysteme, im Folgenden wird sich aber auf dieses bezogen. Es ist zu sagen, dass hier in leichte, mittelgradige und schwere depressive Episoden eingeteilt wird, je nachdem, wie viele der Symptome erfüllt werden und wie stark sich die betroffene Person durch diese beeinflusst fühlt. Das bedeutet, dass nicht jede Person, die an Depressionen leidet, genauso stark belastet sein muss, wie eine Andere, und trotzdem die Möglichkeit und das Recht auf eine Behandlung hat. Wer sich durch seine depressive Erkrankung im Alltag eingeschränkt und belastet fühlt sollte also in jedem Fall über die Möglichkeit einer Psychotherapie nachdenken.

Welche psychischen Erkrankungen sind Depressionen ähnlich?

Ein belastendes Ereignis oder eine schwierige Situation kann, muss aber nicht, Auslöser für eine Depression sein. Im Rahmen einer schweren depressiven Episode können zudem psychotische Symptome hinzukommen, die bishin zu Halluzinationen und Wahnideen gehen. Depressive Störungen können rezidivierend sein, was bedeutet, dass sie mehrfach wiederkehren. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen der „rezidivierenden depressiven Episode“, bei der ausschließlich depressive Symptomatiken auftreten, und einer „Bipolaren affektiven Störung“, bei der sich depressive und manische Episoden (Phasen stark erhöhter Stimmung und vermehrter Aktivität) abwechseln.

Neben den klassischen depressiven Störungen wurden im aktuellen Klassifikationssystem ICD-10 noch Verstimmungen gelistet, die den Kriterien nicht entsprechen, aber ebenfalls zu starkem Leidensdruck führen können, da sie lange andauern. Von „Zyklothymia“ spricht man, wenn sowohl depressive, als auch Episoden gehobener Stimmung (Hypomanie) auftreten, ohne, dass diese die Kriterien einer bipolaren Störung erfüllen würden. In einigen Fällen kann dieses Krankheitsbild später zu einer bipolaren affektiven Störung führen. Zyklothymia tritt gehäuft im familiären Umfeld von Personen auf, die die Diagnose einer bipolaren affektiven Störung haben. „Dysthymia“ bezeichnet eine chronische, oft jahrelang anhaltende, Verstimmung, die nicht die vollen Kriterien einer depressiven Störung erfüllt.

Was ist Komorbidität?

Außerdem können Depressionen durchaus in Kombination mit anderen psychischen Störungen auftreten, dann spricht man von Komorbitität. In diesem Fall muss jedoch abgeklärt werden, ob komorbide Störungen die vorliegenden Symptome besser bzw. allein erklären können. Gerade bei Drogen- oder Alkoholmissbrauch ist die Diagnose der Depression nicht zu stellen, wenn die Symptomatik nur im Rahmen des Konsumverhaltens auftritt.

Bei Störungen, die direkte Reaktionen auf spezifische Ereignisse sind, sind häufig depressionsähnliche Symptome zu finden. Während auch bei einer Depression ein belastendes Ereignis am Anfang einer Episode stehen kann ist bei dieser Form von Störung das Ereignis oder die Situation klar auslösend für die Entwicklung der Symptomatik. Klingt nach einer außergewöhnlichen Belastung eine starke psychische Reaktion innerhalb von Stunden oder Tagen ab spricht man von einer „Akuten Belastungsreaktion“.

Löst eine Veränderung der Lebensumstände eine länger anhaltende Reaktion starker Belastung aus, die die betroffene Person stark einschränken, so ist von einer „Anpassungsstörung“ auszugehen. Ein solches Ereignis kann ein Todesfall im näheren Umfeld sein, aber auch Elternschaft, eine Trennungssituation oder Ähnliches.

Handelt es sich bei dem betreffenden Ereignis um eine Situation von außergewöhnlicher Bedrohung für die betroffene Person, einen nahen Angehörigen oder eine weitere anwesende Person, und tritt mit einiger Verzögerung eine starke Symptomatik, inklusive Albträumen, Flashbacks und emotionaler Stumpfheit ein, so ist der Verdacht auf eine „Posttraumatische Belastungsstörung“ begründet. Ein auslösendes Ereignis kann beispielsweise das Erleben oder Miterleben extremer Gewalt, ein sexueller Übergriff oder eine Naturkatastrophe sein.

Dieser Überblick soll zur Einordnung von Erkrankungsbildern hilfreich sein, aber keinesfalls bedeuten, dass Patient*innen sich vor ihrer Therapie einer bestimmten Diagnose zuordnen müssen. Einerseits liegen viele Störungsbilder eng beieinander und auch Expert*innen fällt es mitunter schwer, diese abzugrenzen. Andererseits ist es Aufgabe der behandelnden Personen Diagnosen zu stellen.

Was mache ich, wenn ich Symptome bei mir entdecke, aber mir nicht sicher bin, ob sie eine Diagnose erfüllen?

Depressive Störungen und damit verwandte Erkrankungen bilden also eine Vielzahl von Kombinationen ähnlicher Symptome ab. In allen Fällen ist eine psychologische Beratung angebracht. Eine Therapie sollte in Betracht gezogen werden, wenn eine starke Belastung oder Beeinträchtigung des Lebensalltags festzustellen ist. Sollte Unsicherheit darüber bestehen, ob eine Behandlung notwendig ist, können ausgebildete Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen, sowie Hausärzt*innen weiterhelfen.

– Gastbeitrag von Inga Adams

 

Quellen:

Wittchen, H.-U. & Hoyer, J. (Hrsg.). (2011). Klinische Psychologie & Psychotherapie (2. Aufl.). Heidelberg: Springer.
ICD-10-GM Version 2019, Systematisches Verzeichnis, Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, Stand: Juni 2020

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