Wenn Sie sich diese Frage stellen, ist dies ein deutlicher Hinweis darauf, dass Sie ein ernsthaftes Problem bedrückt. Leider gibt es bei psychischen Problemen aber keinen eindeutigen Messwert wie bei den meisten körperlichen Erkrankungen - so kann man bei Verdacht auf erhöhte Temperatur einfach Fiebermessen. Bei psychologischen Fragestellungen ist dies oftmals nicht so einfach. Deshalb fällt vielen Menschen die Beantwortung der Frage: "Brauche ich eine Psychotherapie?" schwer. Zusätzlich behindern Vorurteile und Klischees den Weg zu psychologischen Helfern, wie die Befürchtung, dass andere einen für "verrückt" halten könnten. Eine weitere Hürde stellt die Einstellung dar, es nicht "aus eigener Kraft geschafft zu haben" bzw. "versagt zu haben". Die Konsultation eines Arztes bei körperlichen Erkrankungen bzw. das Hinzuziehen eines Rechtsbeistandes bei juristischen Fragen erscheint uns hingegen selbstverständlich.
Eine Psychotherapie zu beginnen zeigt jedoch in allererster Linie, dass Sie Ihre Probleme erkennen, dass Sie die Situation angehen und dass Sie sehr motiviert sind, ihre Probleme zu lösen und zu überwinden.
Jacobi et al. (Psychological Medicine, 2004) machen deutlich, dass Sie mit Ihren Problemen nicht alleine dastehen: Im Laufe des Lebens entwickelt nahezu jeder Zweite einmal eine psychische Störung. Fast jeder Fünfte wird depressiv und jeder Siebte erlebt schwere Angstzustände.